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Der Autor

Stanislav Beran ist freier Journalist und Korrespondent mit Schwerpunkt Geschichte und Kultur. 

Als Auslandskorrespondent berichtet er aus dem Isergebirge für verschiedene Zeitungen und Onlinemedien im deutschsprachigen Raum.

Er ist Dolmetscher und staatlich geprüfter Übersetzer für die deutsche Sprache, Herausgeber der Friedländer Zeitung und Heimatforscher.

Auch die Website https://friedlandinbohmen.jimdo.com, auf der man Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart des Kreises Friedland in Böhmen und die vielseitige Geschichte des Landes unserer Ahnen finden kann, wurde von ihm erstellt.

Für den Blog auf Tschechien Online schreibt er seit April 2015.

Im Internet: friedlandinbohmen.jimdo.comfriedlandinbohmen.jimdo.com
Bildnachweis:
Stanislav Beran

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| | Panorama | 13.2.2021

Aus der deutschen Vergangenheit - Kriegerdenkmal in Friedland

  • Friedland Kriegerdenkmal: Mitte Januar sind alle Buchstaben weg. Man sieht nur noch den Klebstoff (8.1.2021)
  • Foto der Stadt Friedland: Bürgermeister Dan Ramzer und sein Stellvertreter Jiří Stodůlka vor dem Kriegerdenkmal - etwa die Hälfte der Buchstaben fehlt (11.11.2020)
  • Feierliche Enthüllung des Denkmals am 17.11.2018
  • Der gefundene Buchstabe i des Kriegerdenkmals
  • Infotext auf der Rückseite des Denkmals

Als ich Anfang November  den Friedhof in Friedland besuchte, bemerkte ich, daß fast die Hälfte der Buchstaben des Gefallenendenkmals, das im Park vor dem Friedhof steht, heruntergefallen war.

Seit der feierlichen Enthüllung am 11. November 2018 sind nur zwei Jahre vergangen. Auf meinem Nachhauseweg gab ich den Buchstaben I, den ich zufällig beim Denkmal gefunden hatte, im Friedländer Rathaus ab.

Bei dieser Gelegenheit fragte ich:

„Warum wurden die schweren gegossenen Buchstaben auf die polierte Granitplatte nur geklebt und nicht richtig befestigt?“

Der Vertreter des Bürgermeisters Jiří Stodůlka antwortete: „Heute wird alles geklebt.“

Für die Renovierung des Denkmals hatte die Stadt vom Verteidigungsministerium einen Zuschuß von 122 669 Kronen bekommen.

War das vielleicht zu wenig?

Der tschechische Text auf der Rückseite des Gefallenendenkmals lautet ins Deutsche übersetzt:
„Die Renovierung des Denkmals wurde durch einen staatlichen Sonderzuschuß kofinanziert, um die Pflege von Kriegsgräbern aus dem Haushalt des Verteidigungsministeriums der Tschechischen Republik sicherzustellen. Der gewährte Zuschuss beträgt 122 669 Kronen. Termin der Erneuerung ist der Oktober 2018.“

Ob für die nächste Montage der Buchstaben am Gefallenendenkmal in Friedland ein weiterer Zuschuß vom Verteidigungsministerium der Tschechischen Republik beantragt, und wann das Gefallenendenkmal erneut renoviert wird, ist leider noch nicht bekannt.

Aber ein Erfolg kann verzeichnet werden. Der Vertreter des Bürgermeisters Jiří Stodůlka fragte mich:
„Wissen sie, was die Abkürzung REK in dem deutschen Text auf dem Gefallenendenkmal bedeutet? Wir suchen schon seit zwei
Jahren danach, aber keiner im Rathaus hat es bis heute herausgefunden.“

Das wußte ich natürlich sehr gut. Ich freute mich, daß ich mindestens bei dieser Gelegenheit dem Friedländer Rathaus helfen konnte. Nach 1945 wurden die Buchstaben vom Denkmal abgeschlagen, nur der Torso blieb. Die Vorderseite trägt nun die neue Widmung in deutscher Sprache:

„REK den in der Kriegsgefangenschaft Verstorbenen 1914–1918.“

Das Gefallenendenkmal hatte die Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener in Friedland errichtet. 1919 fanden sich die ersten aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Soldaten in der Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener (ReK) zusammen. Sie sorgte sich um die heimgekehrten Kriegsgefangenen, um die Kriegsopfer und um die Pflege der Soldatengräber. Die ReK-Ortsgruppen halfen bei der Wiedereinbindung der heimkehrenden Kriegsgefangenen in die Familien sowie bei der Suche nach einem Arbeitsplatz oder einer Wohnung. Sie unterstützte auch die Angehörigen der Vermißten und deren Entschädigungsanträge. Nach Ausrufung der ČSR wurde ein nationaler Gedenktag – auch Waffenstillstandstag –, der 11. November, eingeführt. Der Grund für das Datum war, daß am Ende des Ersten Weltkrieges in der Waffenstillstands-Vereinbarung von Compiègne beschlossen worden war, die Kriegshandlungen am „Elften Tag des elften Monats um elf Uhr“ enden sollten. In der Tschechischen Republik wird er „Tag der Veteranen“ genannt. Die Mohnblume soll an diesem Tag an die vom Blut der Soldaten des Ersten Weltkrieges geröteten Felder erinnern. In den Wochen vor dem „Tag der Veteranen“ werden gegen eine Spende künstliche Mohnblumen zum Anstecken verteilt, die von vielen Tschechen getragen werden.

Auch in Friedland wurde am 11. November 2020 an die Opfer des Ersten Weltkrieges erinnert. Anläßlich des Tages der Kriegsveteranen legten die Vertreter der Stadt Friedland – Bürgermeister Dan Ramzer und der Stellvertretende Bürgermeister Jiří Stodůlka – Blumen an dem Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs nieder. Auf der Internetseite der Stadt wurde diese Aktion dokumentiert. Allerdings ohne Foto von der beschädigten Vorderseite des Denkmals. Mittlerweile befindet sich auf dem Gefallenendenkmal kein einziger Buchstabe.

Bildnachweis:
Stanislav Beran, 2. Foto: Stadt Friedland

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