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| | Kultur | 31.10.2008

Tag X

Konzert von Hudba Praha

Es war einmal vor langer Zeit, als ich noch ein Teenager war und von Tschechien kaum eine Ahnung hatte. Zu dieser Zeit war ich auf eine Party eingeladen. Wie sich das für ein anständiges Fest gehörte, hörten wir natürlich die neuesten Charthits. Doch mitten in diesen Mix aus „I love you and you love me” brach plötzlich etwas Unbekanntes, Fremdes.

Jan, der Freund der Gastgeberin, und nebenbei bemerkt ein Tscheche, hatte die CD gewechselt und nun dröhnte aus den Boxen fremdländische Laute, Lieder in einer Sprache, die ich noch nie zuvor gehört hatte. Zwar konnte ich nicht verstehen, wovon die Lieder handelten, doch abgesehen davon, dass das bei Musik sowieso meist nebensächlich ist, war ich spontan sehr angetan. Der Gesang der Männer in Kontrast zu dem schrillen hohen Chor aus Frauenstimmen und dem rohen Gitarrensound hatte etwas Magisches. Fasziniert lauschte ich Jans Ausführungen.

Das sei Jasná Páka, eine Band, die in Tschechien riesige Konzerthallen bis zum Bersten fülle, deren Konzerte über vier Stunden dauern sollten. Kurzum ein Liveauftritt von Jasná Páka sei einfach ein absolut unvergessliches Erlebnis. Berauscht von den Klängen und von Jans Ausführungen entstanden in meiner Fantasie Bilder vom düsteren Prag zurzeit des Ostblocks, von Wehmut nach dem vergangen Ruhm und der Schönheit, Bilder von Widerstand und Freiheitskampf. Gleich am nächsten Tag ließ ich mir die CD brennen und hörte sie monatelang rauf und runter. Zwar verstand ich immer noch nichts, doch bald konnte ich alle Lieder auswendig. Kurzum, ich war glühender Anhänger dieser Band, von der ich nicht mehr als den Namen kannte und wünschte mir nichts sehnlicher, als auch einmal auf ein Konzert zu gehen. Leider ergab sich in diese Richtung jedoch nichts.

Über die Jahre ist dieses Fantum dann von anderen Gruppen, die für mich leichter zugänglichen waren, überlagert worden. Doch als ich vor drei Semestern angefangen habe, Tschechisch zu lernen, ist mir wieder eingefallen, dass da ja noch ein paar CDs rumliegen und so kehrte ich zu Jasná Páka, die inzwischen Hudba Praha hießen zurück. Erstaunt stellte ich fest, dass nicht nur meine damalige Tschechischlehrerin die Band kannte, sondern auch ein Mitstudent. Beim Hören der alten Lieder kam dann auch der alte Charme wieder auf und diesmal konnte ich, bewaffnet mit Internetliedtexten und einem Wörterbuch sogar ansatzweise verstehen, worum es ging. Schnell war mir klar: Du musst diese Kapela unbedingt live sehen.

Der Stein der Weisen schien dann auch mit Matěj gefunden. Der kannte die Band zwar nicht, aber nachdem ich ihm einige Male die CDs vorgespielt hatte, war er einverstanden, mit mir auf ein Konzert zu gehen. Eigentlich sollte dies dann am 5. Dezember stattfinden. Doch aufgrund akuter Tschechiensehnsucht, bin ich dann schon letztes Wochenende rübergefahren. Nach einer schier endlosen Zugfahrt, kam ich endlich in Plzeň an. Matěj erwartet mich schon am Bahnhof. Ich konnte es kaum erwarten. Endlich war der T (Tag X), wie die Tschechen sagen, gekommen.

Doch schon bei der Ankunft an der Location war ich etwas überrascht. Anstatt in einer riesigen Halle fand das Konzert in einem doch relativ kleinen Raum im Kulturní dům in Plzeň statt. Als ich dann auch noch feststellte, dass der Großteil des Publikums, das nur zögerlich in den kommunistischen Charme ausstrahlenden Raum einströmte, zumeist über 50 war und es sich allem Anschein bei den Meisten um in ihrer Zeit stehen gebliebene Altrocker mit langen Haaren und noch längerem Bart handelt, war mir nicht ganz klar, ob ich das nun gut oder schlecht finden sollte. Doch noch war ich frohgemut. Da wir pünktlich unsere reservierten Karten für umgerechnet etwa acht Euro abgeholt hatten, und die Halle quasi noch leer war, als wir sie betraten, konnten wir uns super Plätze sichern.

Doch dann begann der weniger schönes Teil des Abends. Denn anstatt wie angekündigt um 20.00 Uhr mit dem Konzert zu beginnen, ließ sich die Band eineinhalb Stunden Zeit. Um halb zehn ging es dann endlich los. Sehr zu meiner Überraschung ist die Band sehr viel älter, als ich es erwartet hätte. Doch wenn man bedenkt, dass sie vor 27 Jahren, also 1981 gegründet worden ist, dann erscheint es logisch, dass der Frontman Michal Ambrož schon eine Glatze hat und sich nach jedem Lieder mit einem großen Handtuch den Schweiß vom Gesicht wischen muss. Leider schien die Kondition der sieben Bandmitglieder, auch wenn einige wohl durch jüngere Musiker ersetzt wurden, in den letzten Jahren auch etwas gelitten zu haben. Denn anstelle des vier Stunden Konzertes, von dem Jan vor einigen Jahren noch zu berichten wusste, verabschiedete sich die Band nach eineinhalb Stunden und nur einer Zugabe.

Insgesamt hat es sich aber auf alle Fälle gelohnt, Hudba Praha einmal live zu sehen, auch wenn der Glanz der alten Tage etwas bröckelt. Schließlich handelt es sich hierbei nicht nur um ein Urgestein des tschechischen Rock, sondern auch um eine echte Kultband aus den 80er, die ab 1983 Opfer des ideologischen Kampfes wurde. Auch deshalb ist sie bei der alteingefleischten Rockgeneration wohl so beliebt. Denn trotz widriger Umstände gelang es der Band, sich nun als Hudba Praha einen Namen zu machen. Bestes Beispiel ist das letzte große Konzert 1996 im Palác Lucerna. Dieses war nämlich innerhalb von nur zwei Tagen restlos ausverkauft. Seither finden sie sich, wie der Text der Homepage so schön sagt „aufgrund von Nostalgie und dem Druck der Fans“ jährlich zu einer acht Konzerte umfassenden Tour in Tschechien zusammen.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich auch einmal auf eines diese Konzerte zu begeben. Denn auch wenn die Dynamik früherer Tage vielleicht nicht mehr ganz vorhanden ist, so handelt es sich hier um ein authentische tschechische Kultur, die echt rockt und deren Lieder wie „Máma Táta“, „Maelström“, „Cau Amore“ oder (mein persönliches Lieblingslied) „Špinavý záda“ einfach genial sind.

Externer Link: www.hudbapraha.czwww.hudbapraha.cz
Bildnachweis:
Monika Kindermann

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