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Tschechien OnlineTschechien Online | Rubrik: Panorama, Kriminalität | 18.7.2008
Staatsanwalt und Richterin konstatieren politisches Tatmotiv für Mord an SHARP-Skin in Příbram

Příbram/Prag - Der 19-jährige Jiří Fous wurde heute wegen der Tötung des 18-jährigen Auszubildenden Jan Kučera vom Prager Bezirksgericht zu 12,5 Jahren Haft verurteilt, wie tschechische Medien berichten.

Fous hatte den 18-Jährigen Kučera im Januar dieses Jahres in der Bar Na Chmelnici in Příbram niedergestochen. Der Zwischenfall war von einer Sicherheitskamera aufgezeichnet und Fous schnell als Täter identifiziert worden. Im Prozess hatte Fous sich zu der Tat bekannt.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hatte Fous dem Auszubildenden Jan Kučera zwei Stiche mit einem Bajonett mit einer 18 Zentimeter langen Klinge versetzt. Der auf diese Weise Verletzte erlag später seinen schweren Stichwunden.

Nach Augenzeugenberichten hatten Jiří Fous, der eine Bundeswehr-Uniform mit Wehrmachtgürtel trug, und eine Gruppe gleichgesinnter Nazi-Skinheads im Lokal zunächst gepöbelt und die übrigen Gäste mit rassistischen Parolen und Nazi-Gesten belästigt.

Als Jan Kučera, ein Angehöriger der antifaschistischen Redskin-Bewegung SHARP, und seine Freunde sich gegen die Provokationen zur Wehr setzten, kam es zur Eskalation. Die tödliche Messerattacke ereignete sich im Treppenhaus im Stockwerk über der Gaststätte, wohin Fous sein Opfer verfolgte. Der Staatsanwaltschaft plädierte vor diesem Hintergrund auf indirekte Tötungsabsicht mit politischem Hintergrund.

Der Angeklagte Fous bestritt dagegen politische Motive und ein Anhänger neonazistischer Ideologie zu sein. Die Richterin Eva Miláčková bewertete die Tat in ihrem Urteil als gezielte Körperverletzung mit Todesfolge. Wie der Staatsanwalt erkannte auch sie das politische Motiv der Tat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Staatsanwalt behielt sich eine Bedenkzeit vor, um gegebenenfalls in Berufung zu gehen. Der Angeklagte verzichtete vor Ort auf sein Recht auf Berufung.

Der Fall hatte wegen seines politischen Hintergrunds auch international für Aufsehen gesorgt, obgleich die ermittelnde Polizei den Fall auf "persönliche Streitigkeiten" zu reduzieren versuchte.

Auch das Begräbnis von Jan Kučera hatte die Aufmerksamkeit der Medien angezogen: An der Beerdingung hatten etwa 300 überwiegend junge Menschen teilgenommen, neben den Familienangehörigen, Freunden, Bekannten und Mitschülern auch Mitglieder von Antifa-Gruppen aus dem In- und Ausland. (nk)

Themen: Mord an Jan Kučera, Neonazis, Skinheads, Justiz

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